bucki ♥

hi there.
i am vivien. i live in düsseldorf, germany. i study medicine in my eighth semester, hardcore!
and this blog here is where i post stuff i like or that happens to me in life.
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Bedmans Badlands

Es war einmal, vor nicht… eigentlich gestern…

 

Etwas zu lange schien die kleine Prinzessin schon an ihrem angestammten Platz zu sitzen. So genau konnte das niemand sagen, denn es geziemte sich nicht, die Handlungen der Hochwohlgeborenen infrage zu stellen.
Aber die Tatsache, dass sich auf ihrem rötlichen Früchtetee aus kleinen Archipelen größere Inseln und schließlich feste Landmassen und Subkontinente bildeten, legte diesen Schluss sehr, sehr nahe.
Fasziniert hatte sich Prinzessin Lulia in das Naturschauspiel vertieft und dabei die Zeit vollkommen aus den Augen verloren.
Nun war es stockfinster um sie herum und ihr Vater hatte doch geheißen, sie möge bei Anbruch der Dämmerung bitte zu Hause sein. Spätestens aber, wenn die Laternen angingen.                                

Nun, Laternen gab es keine und das mit der Dämmerung war ein dehnbarer Begriff. Dunkel war es trotzdem und ein wenig begann sich die kleine Prinzessin, zu fürchten.
Heute sollte es doch einen gegrillten Söldner aus Papas Leibgarde geben und Lulia war ganz versessen darauf gewesen, den kleinen Abendhessen zu verputzen. Er hatte doch dieses putzige Bäuchlein und sie liebte es, den Fettrand abzuschneiden und an die Hunde zu verfüttern. Aber es half nichts.
So sehr sie sich es auch wünschte, diesen Festschmaus konnte sie sich von der Backe schmieren, ohne überhaupt probiert zu haben.
Vielmehr saß sie fest. Fast so, als habe sie Wurzeln geschlagen, aber ein kurzer Blick hinab zu ihren Füßen überzeugte sie rasch vom Gegenteil dieser überaus absurden Idee.
Ihre Diener und Zofen hatten allerdings auch keinerlei Anstalten gemacht, den Wald um ein paar schöne Bäume zu bereichern. Zu dumm, waren sie doch sonst hölzern und steif wie die knorrigsten Exemplare.

Ein wenig Trotz ergriff die kleine Prinzessin, musste sie sich doch ganz allein auf den Weg ins elterliche Schloss machen. Gedankenverloren schüttete sie ihren mittlerweile sedimentierten Tee in den kleinen See zu ihren Füßen. Wäre es ein schlechtes Märchen, würde sich nun ein Frosch lautstark zu Worte melden und ihr sein verzaubertes Leid klagen, dachte Lulia sich. Sie war gerade im Begriff, sich auf dem Absatz umzudrehen und nach Hause zu laufen, da bemerkte sie, dass sich morastiges Ufer und Absätze nur bedingt gut vertrugen. Vielmehr verhielten sie sich wie läufige Kaninchen und mit einem Mal war ihr Schuh auch schon samt absatztief im Schlick versunken. Selbstredend machte er im Gegensatz zu den Kaninchen keinerlei Anstalten, schnell wieder herauszukommen.

So beschloss die kleine Prinzessin kurzerhand, ihren Schuh der Dunkelheit und dem See zu opfern. Als Ausgleich würde sie den komischen Frosch, der sich schon länger an ihrem Malheur zu laben schien, mitnehmen. Ein sündhaft teurer Schuh gegen einen Frosch? Im Ernst, in der Natur konnte sich nun wirklich niemand beschweren.Erst kürzlich hatte sie von einer anderen Prinzessin gelesen, die ihre goldenen Liebeskugeln in einem Brunnen versenkt.. das führte nun zu weit, über die Missgeschicke anderer konnte sie sich auch daheim noch amüsieren. Geschwind setzte sie sich ihr Krönchen auf, pfropfte den Frosch auf eine der Spitzen, von der sie glaubte, dass sie stabil genug sei.
Hätte das arme Tier die Möglichkeit gehabt, sich zu artikulieren, es hätte wohl auf seine Reisekrankheit aufmerksam gemacht.
Einen Zacken sollte ihr der Frosch nun nicht aus der Krone brechen. Aber in die Krone noch weniger. So sammelte sich ein kleiner See Erbrochenes auf Lulias gekröntem Haupt.
Gekörnt vielleicht nun eher, aber das führte zu weit. Die kleine Prinzessin schäumte vor Wut über diese Dreistigkeit.
Zumindest konnte sie die Lichter des Schlosses nun schon erkennen. Je näher sie kam, desto mehr lenkten sie die schwärmerischen Gedanken an die Strahlkraft ihres Schlosses von der Strahlkraft des Frosches ab. Kaum war sie am Tor angekommen und eingelassen worden, umringte sie auch schon eine Schar der treuesten Dienerinnen, hoben sie auf die Sänfte. Nicht etwa, um die Bequemlichkeit der kleinen Prinzessin zu fördern, aber die Spuren ihrer vor Dreck starrenden Füße hätten mehr Arbeit verursacht.

Kaum war die Prinzessin auf ihrem Zimmer angekommen und das Schaumbad in einem goldenen Zuber eingelassen, begann sie sich zu entkleiden. Zu guter Letzt setzte Lulia das kleine Krönchen mit dem darin planschenden Frosch ab. Die brockige Ursuppe aus dem Froschmagen lief ihr sofort durch das Gesicht. Besser, sie hätte vorher ein wenig über die Folgen ihrer Handlung nachgedacht, der Schrecken wäre ihr nicht ins Gesicht gelaufen.So aber war die kleine Prinzessin voller Wut und warf im Affekt den Frosch gegen die kalte Steinmauer. Irgendwo hatte sie mal aufgeschnappt, dass sich Frösche durchaus auch in Prinzen nach solch einer Prozedur verwandelten. Dieser hier verwandelte sich aber nur in einen breiigen braunen Fleck mit einer Nuance Rot. Blaublütig schien er nicht gewesen zu sein. Ein wenig befriedigt stieg die Prinzessin in ihre Wanne und hieß die alte Dienerin, nicht nur den Fleck zu entfernen, sondern ihr auch die Nägel zu schneiden.Hätte sie geahnt, dass sich die Zofe mit den Nägeln den, zugegeben lang gehegten, vom eigenen Nagelstudio in ihrer Kemenate erfüllte, sie hätte wohl jemand anderen an ihre Füße gelassen.So aber legte sich die kleine Prinzessin in ihr Himmelbett, blätterte noch ein wenig in der Erbfolge und knautschte schließlich den Kopf in ihre Kissen. Und der Frosch? Der lag ebenfalls zerknautscht in einer Mülltonne und war ähnlich entspannt, zumindest hielt ihn nichts mehr in seiner Form.

(gelesen bei Neon.de)

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